Seit kurzem liegt auf dem Bauamt das Baugesuch für den Neubau Nägelihof, „Wohnen im Alter“ der Stiftung Hofwiesen auf. Das Projekt hat bis jetzt schon einiges an Staub aufgewirbelt. Ob sich dies nun mit der Auflage des Baugesuchs wiederholt, bleibt abzuwarten. Denn das Projekt erfüllt gemäss den vorliegenden Unterlagen die energetischen Anforderungen der Gemeinde nicht.

2009 hat die Gemeinde Dietlikon, festgesetzt vom Gemeinderat und genehmigt vom Regierungsrat, einen kommunalen Energieplan erstellt. In diesem Bericht steht auf Seite 35 unter Punkt 6.2: „Neubauten auf den gemeindeeigenen Grundstücken sollen die Anforderungen des Minergie-P-Standards erfüllen.“

Am 14. September 2017 hat die Gemeinde Dietlikon der Stiftung Hofwiesen das Baurecht erteilt, auf dem gemeindeeigenen Grundstück „Nägelihofareal“ einen Neubau mit altersgerechten Wohnungen zu erstellen, sowie ein Darlehen über 9 Mio. Franken für die Realisierung genehmigt.

Ein Energiekonzept für das Gebäude wurde zum Zeitpunkt der Abstimmung nicht vorgestellt. Man konnte also davon ausgehen, dass die Vorgaben aus dem Energieplan erfüllt sind.

Jetzt liegt das Baugesuch auf. Darin steht: „Auf eine Zertifizierung nach Minergie-P wird verzichtet, da die Minergie-P-Anforderungen an die Gebäudehülle aufgrund der architektonischen Anforderungen und Vorgaben nicht erfüllt werden kann.“ Weiter heisst es: „Zudem sind die architektonischen Anforderungen in Zusammenarbeit mit dem Stadtplaner der Gemeinde entstanden,…Die Einhaltung der Minergie-P-Gebäudehüllanforderung wäre sehr schwierig, aufwändig und kostspielig.“ Die Gebäudehülle ist das wichtigste Bauteil bei der Einhaltung der Minergie-P-Anforderung und muss schon in der Vorprojektphase festgelegt werden.

Es scheint also, dass von der Bauherrschaft und den vorgesetzten Behörden niemals die Absicht bestand, das Gebäude nach Minergie-P zu erstellen. Ob allerdings die am Projekt beteiligten Personenkreise von der Existenz der Minergie-P-Anforderung wussten, ist ungeklärt.

Nun ist die Baubehörde Dietlikon gefordert und kann zur Einhaltung des im behördenverbindlichen Energieplan festgelegten Standards  korrigierend Einfluss nehmen.

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2 Comments

Balz Morf · 16. August 2018 at 14:18

Die Minergie P-Norm ist stark übertrieben. Dabei verbunden ist ein sehr grosser Aufwand. Wichtig ist der normale Minergie – Stand. Es gibt sogar Fachleute vom Kanton, die die Minergie P-Norm nicht empfehlen. Die mit der Minergie-Norm verbundene Pflicht, der kontrollierten Lüftung hat auch Nachteile wie im Winter sehr trockene Luft. Weiter müssten die Luftkanäle regelmässig gereinigt werden.

Der Solgan „offen, menschlich, modern“ sollte eigentlich nicht mehr mit dem Dietlikerstern erscheinen. Ich finde diesen Slogan daneben. Bitte machen Sie einen Vorstoss an einer Gemeindeversammlung.

Ich finde gewisse Kritik angebracht, aber bitte nicht zuviel Polemik. Diese macht den Verein unglaubwürdig. Der Gemeinderat macht vieles wirklich sehr gut. Dies sieht auch das Volk so.l

Mit freundlichen Grüssen
Balz Morf

Heike · 18. August 2018 at 18:38

Sehr geehrter Herr Morf,

vielen Dank für ihren Beitrag. Sie haben Recht, Minergie-P ist aufwändiger als z.B.: nur Minergie. Aber sollten wir nicht alles in unserer Macht stehende unternehmen um unsere Umwelt zu schützen? Insbesondere bei Neubauten sollte doch der Energieverbrauch auf ein Minimum reduziert werden.
Bei der Kritik am Energiekonzept des Nägelihof geht es nicht primär darum das Gebäude Minergie-P zertifizieren zu lassen, man hätte auch nach Minergie-P bauen können, z.B.: mit einem erhöhten Wärmeschutz. Die Kritik richtet sich vielmehr an die Haltung der Gemeinde und der Stiftung Hofwiesen. Die Gemeinde hat das Versprechen (siehe Energieplan von 2009) an uns Dietliker Bürger, auf gemeindeeigenen Grundstücken Minergie-P Gebäude errichten zu lassen, nicht gehalten. Übrigens auch die Asylunterkunft hinter dem Betriebsgebäude, die 2011 erstellt wurde, ist nicht wie im Energieplan vorgesehen ein Minergie-P Gebäude. Die Gründe, weshalb man in beiden Fällen nicht nach dem Energieplan gehandelt hat, wurden niemals öffentlich und in nachvollziehbarer Form kommuniziert. Das ist eigentlich sehr schade, weil ein solches Verhalten das Vertrauen in unsere Gemeindeverwaltung empfindlich stört.
Auch mit der kontrollierten Lüftung haben sie Recht, viele Spezialisten auf diesem Gebiet, würden in ihrem eigenen Haus keine solche Lüftungsanlage einbauen. Dies erfordert aber von den Bewohnern eine gewisse Disziplin dafür zu sorgen, dass ein regelmässiger Luftaustausch statt findet.
Minergie-P schreibt keine kontrollierte Lüftung, mit einer klassischen Lüfungsanlagen vor. Sie schreiben eine kontrollierte Lufterneuerung vor, da Minergie-P Gebäude sehr luftdicht sind und der Abtransport feuchter Luft gewährleistet werden muss. Auf welche Art und Weise dieser kontrollierte Luftaustausch stattfindet bleibt dem Bauherren und dem findigen Architekten überlassen. Entsprechende Nachweise müssen aber erbracht werden. In Zürich-Öerlikon, in der Nähe der Müllverbrennungsanlage Hagenholz steht das Hunziker-Areal. Alle Mehrfamilienhäuser dort sind Minergie-P zertifiziert. Die Häuser habe zum Teil unterschiedliche Lüftungssysteme, ein Gebäude sogar eine Fassadenlüftung mit direktem Zugang nach aussen, also ohne Luftkanäle.

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