Es geht um viel mehr…

Wenn die Bevölkerung von Wangen-Brüttisellen demnächst über die Teilrevision ihrer Bau-und Zonenordnung abstimmt, geht es um mehr als bloss um das Zulassen von Hochhäusern der Höhe bis maximal 80 Meter in einem „kleinen“ Gebiet.

Die Notwendigkeit des „verdichteten Bauens“ ist – gerade in Zürich und eben auch in der Glatttalregion aufgrund des Bevölkerungszuwachses offenbar gegeben. Dem offenen, gewachsenen Boden muss Sorge getragen werden. Er ist nicht nur wichtiger Träger für die Nahrungsmittel-produktion – ebenso, wenn nicht wichtiger: offener, gewachsener Boden ist Speicher, Reiniger, Puffer, Rückhalter, Ausgleicher, Heimat und Herberge, Ermöglicher von lebendiger Vielfalt, Lebensspender. Das sind wichtige Argumente, die generell die Geschwindigkeit der Überbauung des Bodens in Frage stellen, wie sie heute in unserer Region erfolgt – ob in die Breite oder Höhe.

Eine scheinbare Notwendigkeit ist daher kein Freipass für ausuferndes Bauen in die Höhe an allen Orten, die sich dafür eignen würden oder die zu einem übergeordneten Konzept gehören, zu dem die betroffenen Bürger in dieser Art nie etwas sagen konnten.

Gerade Wangen – Brüttisellen leidet ja bereits unter dem Druck des Flugfeldes Dübendorf und den geplanten Projekten wie der Privatfliegerei, welche praktisch Faktum ist. Gleichzeitig naht der Baubeginn des Innovationsparks. Ausbauten für den Brüttner-Tunnel, aber auch die Glatttalautoban sind in der Pipeline…

Dies alles sind Projekte, gegen die sich der betroffene Bürger nicht wirklich wehren kann, denn zu gross, zu übergeordnet, zu mächtig sind die entscheidenden Stellen.

Jetzt haben aber die Bürger von Wangen-Brüttisellen wirklich ein Mittel in der Hand, nämlich die Ablehnung der vorgesehenen Teilrevision I der Bau- und Zonenordnung. Zumindest aufgeschoben werden kann dadurch das direkte und komplette auf den Kopf stellen des heutigen Lebensraums durch den Bau dieser Hochhäuser.

Mit diesen Hochhäuern und der Möglichkeit für noch mehr Hochhäuser bis maximal 80 Meter Höhe kommt nicht nur „ein bisschen Urbanität“ nach Brüttisellen. Es kommen innerstädtische Verhältnisse mit all den bekannten Problemen wie Verkehr/Erschliessung, notwendige Infrastrukturanpassung, Veränderte Zusammensetzung und Anonymisierung der Gesellschaft, neue Schatten- und Windverhältnisse in den angrenzenden und umliegenden Gebieten…

Wer schon länger in Brüttisellen oder auch in Dietlikon wohnt (denn Dietlikon grenzt ja direkt an die betroffenen Zonen an und ist somit genauso betroffen), der hat sich dereinst für das Wohnen und Leben in einer dörflich strukturierten und geprägten, aber sehr gut erschlossenen Agglomerations-gemeinde entschieden.

Wird nun die Bau- und Zonenordnung in der vorgesehenen Art und Weise angenommen und dann schrittweise auch umgesetzt, so sind Brüttisellen und auch Dietlikon plötzlich Vorstadt und / oder Satellitenstadt. Wangen-Brüttisellen öffnet mit einer Annahme der Teilrevision ihrer BZO diesem Megaprojekt Glatttalstadt, das bis nach Wetzikon in dieser Art hinaufgehen soll, nun auch im Osten eine wichtige Türe, darum ja auch der Name „Brüttiseller Tor“. Es öffnet für sich selber und die angrenzenden Gemeinden aber sozusagen die Büchse der Pandora. Denn ist dieses Tor einmal geöffnet, gibt es nicht mehr viele Argumente dagegen, das geplante Grosskonzept in der vorgesehenen Art und Weise bis weit hinauf ins Oberland durchzuziehen.

Wer glaubt, Hochhäuser würden eine Gesellschaft nicht auch im innersten, in ihrer Art des bisherigen Zusammenlebens und Zusammenhalts verändern, der täuscht sich.

Etwas so Dominantes wie das Geplante wird die nähere Region viel mehr verändern, als wir uns das heute vorstellen können.

Ich wünsche den Bürgerinnen und Bürgern von Wangen-Brüttisellen, all den Menschen, die diese Orte ausmachen, die Voraussicht und den Mut, das Richtige zu entscheiden.


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